Das anhaltende Mysterium des unbekannten Echolette Bandechos

Ich hatte das Thema vor ein paar Jahren schon einmal in einem Video angesprochen, möchte es aber noch einmal „nach oben holen“. Auch, weil ich die Hoffnung nicht aufgeben will, dass sich doch noch jemand findet, der zu diesem Rätsel etwas sagen oder zeigen kann.

Die Ausgangslage

Im Archiv Hans Ohms findet sich eine Art Suchanfrage zu einem bislang namenlosen Bandecho, das ganz offenbar aus dem Hause Klemt/Echolette stammte:

Zeichnung: Hans Ohms

Archiv Hans Ohms: NG unbekannt

Er schrieb hierzu (vermutlich in den 2000er Jahren), dass kein brauchbares Bild zu dem Gerät vorläge, er aber von einem Leser darauf angesprochen wurde. Weiter vermutete Hans Ohms, dass es sich eventuell um einen Prototypen gehandelt haben könnte.


Bildanalyse

In der Zwischenzeit haben sich aber Fotos zu dem oben in der Zeichnung dargestellten Gerät im Internet finden lassen, die ich nicht für unbrauchbar halte. Diese wollen wir uns einmal genauer ansehen.

Bild 1:

Foto: Internet, stark vergrößert.

Wir sehen das gesuchte Gerät oben auf einem Dynacord King Verstärker stehen. Der King ist rund 80 cm breit, das mysteriöse Echolette-Gerät ist schmaler. Ich habe den Zollstock angelegt und komme auf ca. 68% der King-Breite, das wären also umgerechnet ungefähr 54 cm.

Die NG-51 ist nur ca. 32 cm breit, das unbekannte Bandecho ist damit also doch erheblich breiter.

Es sieht ungefähr ähnlich hoch aus wie der King (20,5 cm), die Tiefe kann man nicht genau abschätzen, es scheint etwas tiefer als hoch sein. Es sieht nicht so aus, als ob das Gehäuse in dem Sinne ein Gold-KÄFIG ist, zumindest sind keine Schlitze im Blech erkennbar. Das Gerät steht auf ziemlich hohen Füßen.

Bild 2:

Foto: Internet

Ein zweites im Internet gefundenes Bild ist leider in der Mitte stark überbelichtet, was einige Details unkenntlich macht. Zu erahnen ist im Bereich unterhalb des Klemt Echolette-Logos aber ein Aufkleber von einem Musikgeschäft, wie man ihn sehr häufig bei den alten Geräten findet. Dies wäre eventuell eine weitere Möglichkeit für Recherchen gewesen.

Wir wollen die Details dieses zweiten Bildes etwas näher betrachten.

Die Bedienelemente möchte ich in zwei Gruppen einteilen:

Das grün markierte Rechteck erinnert an die typische Aufteilung der Echolette-Bandechos mit drei Potentiometern oberhalb des Schalterfelds und drei Potentiometern unterhalb des Schalterfelds. Beschriftungen sind nicht zu sehen – diese sind also nicht einfach nur überbelichtet, es sieht so aus, als ob sie wirklich gar nicht vorhanden sind. Das ist etwas ungewöhnlich bei so vielen Knöpfen und Drehreglern.

Bedienelemente des Gerätes

Links daneben finden sich drei senkrecht übereinander stehende Potentiometer (rotes Rechteck), die es bei keinem anderen der Klemt-Bandechos so gibt. Es erinnert ein wenig an die drei übereinander stehenden Regler beim M40-Verstärker.

Wir können in diesem Bedienfeld jedoch Beschriftungen erkennen: Eingang 1 / Input 1 oben links (C), beim Poti direkt darunter ist es zu verschwommen, um Genaueres lesen zu können. Das unterste Potentiometer hat wiederum keine Beschriftung.

Bedienelemente im Detail

Die verwendeten Poti-Knöpfe (D) sind definitiv ganz alte Modelle, mich erinnern sie immer an Weißwandreifen bei alten Fahrzeugen, die sich auch bei NG-2 bis NG-4 finden, sowie bei den frühen NG-51 und NG-41 (siehe beispielsweise im ersten Echolette Katalog, Seiten 3 und 4)

Die Druckknöpfe (E) sind meiner Meinung nach ebenfalls frühe Modelle, etwas kleiner und rundlicher als die später allgemein übliche Variante. Siehe hier ebenfalls zum Vergleich Echolette NG-2 und den oben verlinkten Echolette Katalog.

Eingänge sowie ein Ausgang sind auf der Frontplatte nicht vorhanden, diese müssen sich an anderer Stelle befunden haben.

An den Seiten der Frontplatte befinden sich des weiteren vier größere Schlitz-Schrauben, zwei auf jeder Seite (A). Das „Pin-Striping“ läuft um die Schrauben herum, was bei den Goldkäfigen immer so war, sogar schon bei der NG-2. Es hilft uns deshalb leider nicht bei der Datierung des Gerätes.

Linke Seite des Gerätes

Links und rechts sind jeweils ein Halte- oder Tragegriff auf dem Front-Panel angebracht (B), ein Element, das sich bei keinem anderen Echolette-Gerät findet und dessen Sinn sich mir nicht ganz erschließt: Bei späteren Rack-montierten Geräten machte ein Griff an dieser Stelle sehr viel Sinn, weil man sie nur von vorne in das 19-Zoll Rack reinschieben und rausziehen konnte. Ein Seitengriff wäre hier fehl am Platz.

Bei Aufsatzgeräten, die auf Tische oder Lautsprecherboxen gestellt werden, ergeben oben oder seitlich angebrachte Griffe meiner Ansicht nach etwas mehr Sinn, deswegen sind auch die meisten Verstärker-Topteile seit den 60er-Jahren so ausgestattet.

Ich habe mir deshalb überlegt, ob es sich bei den Griffen nicht eher um Stoßbügel handeln könnte, die zum Beispiel die Potiknöpfe und die Anzeigelämpchen (siehe nächster Absatz) schützen sollten. Zum Beispiel beim Transport, wo das Gerät gegen die Bordwand des Fahrzeugs oder andere Geräte prallen konnte.

Rechter Hand auf der Frontplatte finden sich senkrecht übereinander stehend drei Lämpchen bzw. Halter/Abdeckungen für darunter liegende Lämpchen, die wiederum keine Beschriftung aufweisen und deren Funktion damit im Dunklen liegt. Es ist klar, dass sie irgendwelche Betriebszustände anzeigen sollten, denkbar wäre: „Gerät eingeschaltet“, „Motor läuft / Echo ein“, aber was noch?.

Status-Lämpchen

Die Bauweise dieser Lämpchen habe ich allerdings schon einmal genau so gesehen und zwar am Heraton V40:

Heraton V40: Es handelt sich um dieselben Lampen-Träger

Ich denke nicht, dass dies speziell für Heraton angefertigte Lampenträger waren, aber es wird sich um ein damals allgemein verfügbares Bauteil gehandelt haben. Der Heraton stammt aus dem Jahr 1959 (woher ich das weiß, ist eine andere Geschichte, die später einmal auf dieser Webseite erzählt werden soll). Die Lampen am unbekannten Bandecho passen deshalb meiner Meinung nach zeitlich auch zu den anderen älteren Bauteilen und verstärken den Eindruck eines frühen Gerätes in der Echolette-Geschichte.

Spannend finde ich, dass dieses Bandecho zur Aussteuerungsanzeige ein Drehspul-Instrument hat und keine Anzeigeröhre. NG-2, NG-3 und NG-4 hatten noch gar keine Aussteuerungsanzeige (die NG-41 auch nicht, aber das hatte andere Gründe, sie war ein sehr reduziertes Einsteiger-Gerät).

Aussteuerungsanzeige des Gerätes

Zuletzt können wir uns die Beschriftung sowie den darunter liegenden Aufkleber noch einmal vergrößert ansehen, ich erkenne hier aber gar nichts, was weitere Informationen zu dem Gerät liefern könnte.

Echolette-Logo und Musikhaus-Aufkleber

Dass das vor vielen Jahren von Hans Ohms gesuchte Gerät keine Chimäre war, belegen die vorhandenen Bilder, sowie der Bericht eines einstigen Besitzers aus dem Musiker-Board.

Ein früherer Besitzer im Musiker-Board

Ich bin selbst kein Forist, aber eventuell sehen der einstige Besitzer oder ein Nachfolger diesen Text und möchte dazu noch etwas sagen. Ich würde mich hierüber sehr freuen.

Was sagt uns das nun alles?

Die sichtbaren Details zeigen für mich eindeutig, dass es sich um ein eher frühes Gerät im Klemt Echolette-Portfolio gehandelt haben muss, ich werfe hier einfach mal 1959 / 1960 als Zeitraum in den Ring. Ich denke nicht, dass es sich um ein Hobby-Selbstbau-Projekt gehandelt hat, was mir auch schon als Lösung des Rätsels vorgeschlagen wurde. Dafür hat einfach alles zu sehr Klemt-Anmutungen und ist auch zu sehr professionell „aus einem Guss“.

Wir können nicht sicher sein, ob es in dieser Form je in Serie gebaut wurde oder nicht. Weder eine NG-2 noch eine NG-3 fanden sich bislang in Katalogen – weil ich so weit zurückreichend bislang nichts gefunden habe beziehungsweise es einfach anfangs keine Kataloge gab. Von der NG-2 sind in den letzten Jahren nur zwei Stück auf dem Markt aufgetaucht, Hans Bauer sagte in einem Interview aus dem Jahr 1972, dass er von der NG-2 ganze fünf Stück hat bauen lassen. Eine NG-3 habe ich bislang nur ein einziges Mal überhaupt gesehen.

Die frühen Geräte waren ganz klar Kleinstserien, kein zweites jemals gesehen zu haben bedeutet also nicht zwangsläufig, dass es kein „offizielles“ Modell war. Es ist im Umkehrschluss aber auch nicht undenkbar, dass es sich tatsächlich um einen Werks-Prototypen gehandelt haben könnte, der den Weg aus dem Werkstor herausgefunden hat.

Die weitestgehende Abwesenheit von Beschriftungen lässt mich schlussendlich daran zweifeln, dass es etwas anderes als ein Testmodell oder ein Prototyp gewesen sein könnte.
Bei einem kommerziell vertriebenen Gerät hätte man sich jeden Knopf und jedes Potentiometer beschriftet.

Wir können hierüber aber nur wild spekulieren, so lange bis neue Details bekannt werden.

Spekulieren wir zum Abschluss aber doch einfach noch etwas weiter: Was könnte der realistische Grund für die Existenz dieses Bandecho-Modells sein, das breiter als „normal“ ist und später nicht weiter verwendete Elemente auf der Frontplatte hat?

Hier sind meine Ideen dazu, es ist jeder Leser gerne eingeladen, eigene Überlegungen hierzu beizutragen.

Die Überbreite könnte darauf hindeuten, dass mit einer längeren Bandschlaufe, mehr Tonköpfen oder größeren Tonkopfabständen experimentiert wurde. Reparatur-Geplagte könnten zudem einwerfen, dass man hier vielleicht ein Gerät mit mehr Platz im Inneren für erleichterte Reparierbarkeit getestet hat – aber diesen Gesichtspunkt kann man eher außer Acht lassen. Mehr Material als unbedingt benötigt bedeutet auch immer höhere Kosten und da die Geräte ja mit etwas Übung wunderbar reparierbar sind, halte ich diese Vermutung für eher abwegig.

Da Hans Bauer in dem weiter oben genannten Interview sagt, dass die NG-2 das erste Echolette-Bandecho war, müssen wir – denke ich – auch ausschließen, dass es sich bei dem unbekannten Gerät um eine Art „Urmodell“ gehandelt hat. Das ist auch deshalb ausgeschlossen, weil es eigentlich ja ein konkretes Foto des „Urmodells“ gibt und das hatte rein visuell bereits die Maße und das Erscheinungsbild des bekannten Goldkäfigs.

Weil von der NG-2 bis NG-4 gar keine Aussteuerungsanzeige eingebaut war, ordne ich das Drehspul-Instrument am unbekannten Bandecho insgesamt eher als eine Weiterentwicklung ein und würde es daher als zeitlichen Nachfolger der genannten Modelle verorten. Jedoch noch vor der NG-51, denn das magische Band ist wohl die von Klemt präferierte Best-Lösung zur Aussteuerungsanzeige gewesen, sie wurde schließlich beinahe ein Jahrzehnt lang so gebaut und im Nachfolger E51 auch fortgeführt. Wenn man das hätte ändern wollen, dann wäre ausreichend Gelegenheit dazu gewesen.

Fazit

Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich hier sehr viel spekuliert habe und das darf man auf keinen Fall mit definitiven Fakten verwechseln. Im Prinzip muss man leider konstatieren: „Nichts genaues weiß man nicht“.

Vielleicht geschieht ja noch so etwas wie ein kleines Wunder und wir werden zu diesem Gerät noch mehr Informationen erhalten.

Die Dynacord Großverstärker MV75 und MV120

Der Begriff „Großverstärker“ ist zwar nicht wirklich eine sehr präzise Bezeichnung für einen bestimmten Verstärker-Typ, aber bei diesen beiden Boliden trifft er durchaus den Nagel auf den Kopf. Die nackten Zahlen zum Einstieg in das Thema:

Breite: ca. 52 cm
Tiefe: ca. 35 cm
Höhe: ca. 22 cm
Gewicht: 23,5 kg (MV120) bzw. 23 kg (MV75)

Roadies hatten besser gut gefrühstückt, wenn sie diese „Goldbarren“ aus den späten 50er Jahren bewegen mussten.

Die Dynacord Mischverstärker MV75 und MV120               Foto: Tim Frodermann
Die Dynacord Verstärker MV75 und MV120                                                        Foto: Tim Frodermann

Um was handelt es sich bei den MV-Verstärkern?

„MV“ steht für Mischverstärker und damit stellen Sie ungefähr die Vorläufer dessen dar, was wir heute als P.A. bezeichnen würden. In den späten 50er Jahren wurden Veranstaltungen in größeren Sälen, vor immer größerem Publikum immer wichtiger, dicht gefolgt vom Aufkommen der „Bands“ oder „Groups“ ab den frühen 60er Jahren.

Verbunden mit der sich parallel abspielenden Elektrifizierung von Gitarre und Bass brauchten auch Sänger – im Plural – eine kraftvolle und gut klingende Verstärkungsoption für ihre Stimmen, damit sie nicht im Hintergrund untergingen.

Auch wenn mal keine Band auftrat, wollte eine Tanzveranstaltung mit Musik von Platte beschallt werden, inklusive der Option eines Conférenciers, der mit dem Mikro durch den Abend begleitete.

Diese Aufgabe sollten die Mischverstärker bewältigen, die mehrere in ihrer Lautstärke separat regelbare Kanäle hatten, idealerweise auch mit eigenen Klangstellern für jeden Kanal, sowie Eingängen für Mikrofone, Plattenspieler und in einigen Fällen auch für den Anschluss von Rundfunkgeräten.

Foto: Tim Frodermann
Die drei Mikrofoneingänge des Dynacord MV120 sind umschaltbar und damit anpassbar auf (Kristall-) Mikrofone hoher Impedanz (1 Mohm) oder solche niedriger Impedanz (200 Ohm), typischerweise also dynamischer Mikrofone.                                                                                              
Foto: Tim Frodermann
Foto: Tim Frodermann
Rechts daneben drei weitere Eingänge: TB für „Tonbandgerät“, Ta für „Tonabnehmer“ (Schallplattenspieler) sowie Rdf für Rundfunkgeräte/Radios.                          
Foto: Tim Frodermann

Abgerundet wurde das Ganze mit hoher Ausgangs-Leistung und der Anschlussmöglichkeit für einzelne Lautsprecherboxen oder eine Reihe von ELA-Lautsprechern (100 Volt Anschluss).

Lautsprecheranschlüsse des Dynacord MV120: Hierbei handelt es sich um Flachstecker-Lautsprecheranschlüsse einer schon lange nicht mehr gebräuchlichen Norm. Wer keine passenden Stecker mehr auftreiben kann, kann sich mit Bananensteckern behelfen – die passen hier auch.
Foto: Tim Frodermann

Zeitliche Einordnung

Bereits in der ältesten mir verfügbaren Preisliste von Dynacord aus dem Mai 1957, finden sich zwei Verstärker namens STV75 und STV120.

Hierbei handelte es sich aber noch um kleinere Geräte mit nur zwei Kanälen, auch erhältlich in Ausführungen /R mit eingebautem Rundfunkempfänger.

Das Design deutet aber schon in Richtung der MV-Geräte.

MV75 und MV120 tauchen dann erstmals in den Preislisten des Folgejahres 1958 auf, z.B. in der Preisliste Nr. 8a von April 1958 und dem dazugehörigen Beiblatt.

Interessanterweise wird der MV75 hier als ultralinear bezeichnet, ich kann auf den Schaltplänen beider Geräte jedoch keine ultralineare Endstufe erkennen. Eventuell hat man 1958 hierunter noch etwas anderes begriffen als heute.

Im obigen Dokument wird die unglaubliche Anzahl von Röhren bereits angesprochen, das schauen wir uns gleich noch etwas genauer an.

Die Verkaufsgeschichte von MV75 und MV120 läuft noch einige Zeit parallel zu ihren STV-Vorläufern, diese tauchen in der 1960er Preisliste noch auf, danach habe ich keine Belege mehr für die STV-Serie.

Der MV75 taucht in den 1963/64er Geräte-Programmen nicht mehr auf, sein großer Bruder MV120 jedoch wird noch bis ins Jahr 1966 angeboten, danach war sein etwas „klassisches“ Aussehen nicht mehr En Vogue: Im selben Jahr brachte Dynacord nämlich die modernen Kassettengehäuse-Geräte Eminent 1 und Eminent 2 heraus.

Die Röhren

Zum Abschluss dieser Übersicht schauen wir uns noch die Röhrenbestückung von MV75 und MV120 an – es sind nicht weniger als 14 (MV120) bzw. 15 Stück (MV75) !

Foto: Tim Frodermann
Röhrenbestückung des Dynacord MV75: Links die Vorstufenröhren, rechts die Gleichrichterröhren (!) und die Endstufenröhren in der Mitte.                                                          
Foto: Tim Frodermann

Röhrenbestückung des Dynacord MV75:

  • 3x EF86
  • 3x ECC83
  • 2x EL34
  • 6x EZ81
  • 1x EM84

Röhrenbestückung des Dynacord MV120. Obwohl sich die Anzahl der Endstufenröhren im Vergleich zum MV75 verdoppelt hat, haben wir in Summe eine weniger! Der Trick ist der Einsatz von zwei GZ34 Gleichrichterröhren, die erheblich mehr Strom liefern können als die EZ81.
Foto: Tim Frodermann

Röhrenbestückung des Dynacord MV120:

  • 3x EF86
  • 1x ECC83
  • 1x ECF83
  • 1x ECC81
  • 4x EL34
  • 2x GZ34
  • 1x EZ81
  • 1x EM84

Ein „Poor Boy“ darf man bei so einer umfangreichen Röhrenansammlung sicherlich nicht sein: Wenn man einen kompletten Satz zu den heutigen Marktpreisen neu kaufen müsste, dann läge man sowohl beim MV75 als auch beim MV120 bei ungefähr 350-370€ !

„Die Lords“ spielen bei einem Fernsehauftritt im Beat Club, im Jahr 1966, ihren großen Hit „Poor Boy“. In der Mitte der vier Lords sieht man am Boden einen Dynacord MV stehen – ob ein 75 oder 120, ist von vorne ohnehin nicht zu unterschieden. Rechts daneben sehen wir aber ein Dynacord Echocord Bandecho, am rechten Bühnenrand zudem zwei Dynacord Lautsprecherboxen.

Quelle: Beat Club, https://youtu.be/ZwAe6CCqwUc?si=N4u1B0QHJK1YRUQe

Weiterführende Informationen

Die VarioSpeed Motorsteuerung – Ein neues Zubehörgerät für klassische Bandechos von Echolette und Dynacord

Eine der häufigsten Fragen, die den Reparateuren von Röhrenbandechos aus Deutschland immer wieder gestellt wird, ist sicherlich: Kann man die Bandgeschwindigkeit irgendwie langsamer oder schneller einstellen?

Dies ist, wie ich finde, eine sehr berechtigte Frage: Denn nicht selten wird das klassische Bandecho nur deshalb nicht in Studioproduktionen oder auf der Bühne verwendet, weil es nicht so flexibel ist wie das moderne Digital-Effektgerät. Die zwei Geschwindigkeiten einer Echolette NG-51 / E51 oder eines Dynacord Echocord Super S61/ S62 / S62a / S65 passen einfach nicht zu jedem Lied. Insbesondere, wenn man die Echozeiten genau dem Takt anpassen muss.

Ein Bandecho hat aber einen ganz eigenen, besonderen Klang, der es verdient öfter gehört zu werden. Was wäre also, wenn es ein Motorsteuergerät gäbe, das man sehr einfach mit den alten Bandechos verbinden könnte und das bei Bedarf auch vollkommen rückstandslos wieder entfernt werden kann?

Ab sofort gibt es hierfür nun das VarioSpeed Motorsteuergerät: Ein sinnvolles Zubehör, das mehr aus dem klassischen Bandecho herausholt, ohne seine Substanz zu verändern.

Informationen zum VarioSpeed Projekt

Demo-Videos

Prosit Neujahr!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von bandecho.de ein frohes neues Jahr 2026 und freue mich auf viele interessante Dokumente und Geräte, die wir in diesem Jahr hoffentlich finden werden!

aus: ShowBusiness, Ausgabe Dezember 1962.

Wer meine Arbeit in 2026 und darüber hinaus unterstützen möchte, kann hier alle wichtigen Informationen finden: Spenden

Orchesterelektronik zu Höchstpreisen

Als kontinuierlicher Beobachter der für Orchesterelektronik auf Ebay erzielten Preise habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welche (schlechten) Preise aktuell für Geräte aus Deutschland in Deutschland erzielt werden. Eine Auktion in den USA zeigte nun, was weltweit möglich ist, sofern zumindest ein berühmter Name mit einem Gerät in Verbindung gebracht wird.

Am 19.11.2025 wurde vom Auktionshaus Julien*s in der Musikstadt Nashville die Florian Schneider Collection versteigert, also sozusagen der materiell-technische Nachlass des Kraftwerk Gründungsmitglieds Florian Schneider-Esleben (1947 – 2020).

Ich schreibe im Folgenden nur über Geräte, die zu dem direkten Fokus dieser Webseite passen, ich kann aber wärmstens empfehlen, einmal durch die Gesamtmasse der Auktion zu blättern. Es sind viele schöne und legendäre Gegenstände darunter (u.a. ein VW T1 Bus).

Unter den Hammer kamen auch diverse Produkte von Echolette und Dynacord: Nach Angaben des Auktionshauses ist aber nur ein Dynacord Echocord Super dabei, das offenbar bei Kraftwerk Live-Auftritten konkret Verwendung fand. Der Rest ist der Imagination bezüglich des prominenten Vorbesitzers überlassen – die überdurchschnittlichen Preise legen Zeugnis davon ab, dass viele Bieter offenbar reichlich davon haben (Imagination meine ich, aber natürlich auch das passende Kleingeld).

Zum Vergrößern bitte anklicken!

Ich habe im Bestand der Auktion keines der Geräte von Dynacord und Echolette erspähen können, die immer wiederkehrend auf Bildern und Filmaufnahmen der frühen Kraftwerk zu sehen waren. Infos hierzu gibt es im folgenden Artikel: Schallplatten | Bandecho.de .

Tipps zu Reparaturen und Modifikationen an Verstärkern

Früher oder später kommen fast alle technikinteressierten Besitzer von Orchesterelektronik an den Punkt, an dem sie ihre Schätze gerne selbst warten und pflegen möchten.

Auf der einen Seite sieht man sich dann vor die Aufgabe gestellt, das materielle Werkzeug für diese Aufgaben anzuschaffen und sich – das ist das Wichtigste! – mit den gebotenen Sicherheitsvorschriften auseinanderzusetzen und diese aus dem Effeff anzuwenden.

Was bei der Handhabe von Verstärkern aber oft vergessen wird, ist, dass man ihre Funktionsweise auch recht tiefgreifend verstehen muss, um Fehler und Funktionsstörungen überhaupt als solche erkennen und erfolgreich Lösungen aus dem ideellen Werkzeugkasten anwenden zu können. Wer mit seinem Sound unzufrieden ist, muss verstehen, „was den Sound macht“ und an welchen Stellschrauben man drehen kann. Es sollte also ein Ziel jedes Reparateurs sein, zu wissen, wie die Dinge eigentlich aufgebaut sind und wie sie in einem Verstärker zusammenspielen.

Ein Buch, das hier sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene zu empfehlen ist, wurde von Helmuth Lemme geschrieben:

Helmuth Lemme: Gitarren-Verstärker Sound, Pflaum-Verlag, München 1995.

Das Buch ist im regulären Buchhandel vergriffen, kann auf der Webseite des Autors aber als Nachdruck erworben werden. Es ist seit Jahren auch fester Bestandteil meiner eigenen Bibliothek und ich kann es daher nur wärmstens empfehlen.

Helmuth Lemme gibt sowohl auf seiner Homepage als auch in Vorträgen immer wieder Einblick in seine Arbeit auf dem Feld der Musikelektronik und teilt hier seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ein relativ neuer Vortrag findet sich auf YouTube:

Gitarrenverstärker: Modifikationen – Reparaturen – Selbstbau – Autor: Helmuth Lemme (YouTube Kanal: GITEC e.V. – Forum E-Gitarrentechnik)

Echolette – kinderleicht einzustellen!

Zum Weltkindertag 2025 möchte ich unten stehende Werbeanzeige teilen. Wir wissen nicht, ob die junge Erdenbürgerin später eine Karriere im Musikbusiness verfolgt hat, aber die Bedienung der NG-51 Echo-Tonblende sieht schon einmal recht „fachmännisch“ aus.

Echolette: Ein Begriff…kinderleicht einzustellen!

aus: ShowBusiness Magazin.

Heute vor 62 Jahren – Diebstahl!

Am heutigen 17.08. vor 62 Jahren hat der Echo-Klau im Hause Echolette Vertrieb zugeschlagen. Ob je eines der genannten Geräte wieder aufgetaucht ist und ob sich jemand über die damals erhebliche Belohnung freuen konnte (das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen eines vollzeitbeschäftigten Arbeiters lag bei 337,- DM), ist leider nicht überliefert.

Diebstahlsanzeige, aus: ShowBusiness, Ausgabe Oktober 1963.

Heutige Besitzer der oben genannten Seriennummern müssen sich aber sicherlich keine Sorgen mehr machen, die Angelegenheit dürfte seit langem verjährt sein.

Neue Aufsätze zu Reparaturen und Wartungen

Ich möchte auf zwei äußerst informative, neue Aufsätze hinweisen, die ich mit freundlicher Genehmigung des Autors hier veröffentlichen darf:

Martin Schweizer: Generalüberholung eines Dynacord Eminent 2-T Hybridröhrenverstärkers, 08.04.2025, 55 Seiten.

Martin Schweizer: Reparatur und Modifikation eines SUPREM 40
Vollröhren Gitarrenverstärkers
, 02.12.2023, 53 Seiten.

Die beiden Aufsätze finden sich dauerhaft auch in der Rubrik Reparatur- und Serviceberichte dieser Webseite archiviert.

Manege frei für die Klemt Echolette NG-5

Manchmal muss man Glück haben! Im Mai sah ich im Internet eine Verkaufsanzeige für ein Echolette-Bandecho. Das angebotene Gerät schien mir auf den ersten Blick das Modell NG-4 zu sein, das ich bereits in meiner Sammlung habe und das auch hier schon vorgestellt wurde. Ich habe die Anzeige deshalb erstmal gespeichert und wollte sie später in Ruhe prüfen.

Von außen sieht das Gerät wie eine Echolette NG-4 aus…

Die genauere Begutachtung hat dann aber ein kleines Detail offenbart, das mein Sammlerherz höher schlagen ließ:

…aber gestempelt ist sie als NG-5!

Das Gerät ist mit NG-5 gestempelt, die Seriennummer 6126 liegt etwas oberhalb der höchsten NG-4 Seriennummern, die ich kenne (in den 5000ern) und etwas unterhalb der niedrigsten NG-51 Seriennummer (6879), die ich in meinem Echolette Seriennummern-Projekt bislang erfasst habe. Also irgendwo in der Mitte zwischen beiden Modellen.

Was weiß man über das Modell NG-5?

Wie bei allen Echolette Geräten der Anfangszeit generell recht wenig: Die einzigen beiden Nennungen eines solchen Modells finden sich im Archiv Hans Ohms, siehe die Liste aller Echolette Geräte und den Überblick zur Geschichte der Firma Echolette.

Hans Ohms hatte zur NG-5 meines Wissens nach aber nie eine eigene Modellseite erstellt, Fotos sind mir ebenfalls nicht bekannt. Deshalb hatte ich die NG-5 bislang eigentlich in das Reich der Legenden verortet: Ein Gerät, das es vermutlich nie so richtig gab und zu dem ich in den vielen Dokumenten in meiner Sammlung auch nie etwas gelesen hatte.

Das war wohl eine Fehleinschätzung, denn hier haben wir nun zumindest eine NG-5.

Was ist die NG-5? Worin unterscheidet sie sich von anderen Modellen?

Ich habe eine ausführliche Bildergalerie zur Echolette NG-5 hochgeladen, deshalb möchte ich hier nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Eckpunkte und ein paar Ideen meinerseits liefern. Alles unter dem Vorbehalt natürlich, dass dies die einzige NG-5 ist, die ich bislang gesehen habe und kein offizieller Schaltplan vorliegt. Aber man kann es zumindest ja in ein Verhältnis zu dem Vorgänger- und Nachfolgemodell setzen, dann wird es schon ein brauchbares Bild liefern.

Diese NG-5 ist offenbar eine NG-4, die aber auf zwei Wiedergabeköpfe erweitert wurde, so wie man es später vom Modell NG-51 S kannte. Ihre Röhrenbestückung ist aber zu 100% der NG-4 entsprechend: 2x EF86, 2x ECC81 und 1x ECC82. Anders als bei der NG-51 S wird deshalb nicht jeder Wiedergabekopf von einer halben ECC83 verstärkt, sondern beide Wiedergabeköpfe von derselben Pentode EF86.

Wie bei der NG-51 S kann der zweite Wiedergabekopf durch das Herausziehen des mittleren großen Potentiometers auf der Vorderseite aktiviert werden.

Einen weiteren Unterschied zur NG-4 haben ich bislang nicht erkennen können.

Mir ist bei der Beschäftigung mit der NG-5 wieder etwas durch den Kopf gegangen, über das ich schon öfters nachgedacht habe. In einer Ausgabe des Showbusiness-Magazins konnte man Anfang der 1960er Jahre lesen:

Mitteilung aus dem Showbusiness-Magazin.

Könnte die Bezeichnung NG-5 gar kein Name für ein neues Serienmodell gewesen, sondern als Sammelbezeichnung für umgebaute NG-3 und NG-4 verwendet worden sein? Es dürfte jedenfalls sicher sein, dass für 35 bis 50,- DM bestimmt niemand die komplette Schaltung einer NG-3 oder NG-4 ausgebaut und durch das Innere einer damals über 1000,- DM teuren NG-51 ersetzt haben wird. Plus einer kompletten Einstellung von Mechanik und Bandlauf. Früher war zwar mehr Service, aber das kann ich mir dann doch nicht vorstellen, weil es überhaupt nicht wirtschaftlich erscheint. Warum sollte bei so sagenhaft günstigen Upgrade-Konditionen dann noch jemand das teure, neue Modell kaufen?

Ich halte es deshalb nicht für abwegig, dass mit „Umbau auf das Prinzip der NG-51“ der Einbau und die Verdrahtung für einen zweiten Wiedergabekopf gemeint gewesen sein könnte und wir hier genau das Ergebnis eines solchen Umbaus sehen.


Dieses konkrete NG-5 Modell hat zusätzlich zu dem bereits Gesagten noch ein paar weitere Besonderheiten, die aber zeitgenössische Umbauten bzw. Reparaturen sein dürften. Hierauf möchte ich kurz eingehen, ich denke aber, dass dies keine allgemeinen Erkennungsmerkmale einer NG-5 sind.

Nahe der Drehkondensatoren für die Einstellung des HF-Bias findet sich ein Tauchtrimmer. Ich gehe davon aus, dass einer oder mehrere der originalen Drehkondensatoren defekt sind, weil auch an einer weiteren Stelle noch ein Kondensator mit festem Wert über einen Drehkondensator gelötet wurde.

Dieses selten anzutreffende Bauteil nennt sich „Tauchtrimmer“.

Einer der Aufsprechstrom-Trimmer wurde ebenfalls durch ein Ersatzteil anderer Bauform ersetzt.

Am Ausgang (!) findet sich ein kleiner Übertrager, der mit den Pins 1 und 3 der DIN-Ausgangsbuchse verbunden ist, sowie auch mit Pin 2 (Masse). Für mich sieht das aus, als ob hier ein symmetrischer Ausgang nachgerüstet werden sollte.

Die Übertrager-Halterung an einem der Potentiometer ist ganz gut gemacht und sitzt sehr stramm, sie scheint aber nachträglich an das Poti angelötet worden zu sein.

Ein Übertrager am Ausgang.

Bei der NG-5 ist vermutlich irgendwann einmal der Netzschalter kaputt gegangen, dieser fehlt komplett und das Gerät ist durch feste Verbindung der geeigneten Drähte nun auf „Dauer-An“ festgelegt, sobald der Netzstecker eingesteckt wird. Der verbleibende mechanische Ein-/Aus-Knopf rückt nur noch die Andruckrolle vom Capstan weg.

Eine Zirkus-Echolette

Ich habe in der Überschrift „Manege frei“ geschrieben und das hat einen Grund: Denn diese Echolette hat eine ganz interessante Geschichte. Sie ist ein waschechtes Zirkus-Gerät!

In den 60er Jahren kam sie im Circus Rebernigg zum Einsatz, dem „Österreichischen Nationalcircus“, und wurde bis heute in der Familie aufgehoben.

Werbe-Prospekt des Circus Rebernigg.

Hier gibt es ein Prospekt des Circus Rebernigg (pdf, 35 MB), das ich dankenswerter Weise zusammen mit der Echolette erhalten habe und das neben ihr in mein kleines Museum einziehen wird.

Der Vorbesitzer meiner Echolette NG-5 mit Freddy und Löwen.