Ich hatte das Thema vor ein paar Jahren schon einmal in einem Video angesprochen, möchte es aber noch einmal „nach oben holen“. Auch, weil ich die Hoffnung nicht aufgeben will, dass sich doch noch jemand findet, der zu diesem Rätsel etwas sagen oder zeigen kann.
Die Ausgangslage
Im Archiv Hans Ohms findet sich eine Art Suchanfrage zu einem bislang namenlosen Bandecho, das ganz offenbar aus dem Hause Klemt/Echolette stammte:

Archiv Hans Ohms: NG unbekannt
Er schrieb hierzu (vermutlich in den 2000er Jahren), dass kein brauchbares Bild zu dem Gerät vorläge, er aber von einem Leser darauf angesprochen wurde. Weiter vermutete Hans Ohms, dass es sich eventuell um einen Prototypen gehandelt haben könnte.
Bildanalyse
In der Zwischenzeit haben sich aber Fotos zu dem oben in der Zeichnung dargestellten Gerät im Internet finden lassen, die ich nicht für unbrauchbar halte. Diese wollen wir uns einmal genauer ansehen.
Bild 1:
Wir sehen das gesuchte Gerät oben auf einem Dynacord King Verstärker stehen. Der King ist rund 80 cm breit, das mysteriöse Echolette-Gerät ist schmaler. Ich habe den Zollstock angelegt und komme auf ca. 68% der King-Breite, das wären also umgerechnet ungefähr 54 cm.
Die NG-51 ist nur ca. 32 cm breit, das unbekannte Bandecho ist damit also doch erheblich breiter.
Es sieht ungefähr ähnlich hoch aus wie der King (20,5 cm), die Tiefe kann man nicht genau abschätzen, es scheint etwas tiefer als hoch sein. Es sieht nicht so aus, als ob das Gehäuse in dem Sinne ein Gold-KÄFIG ist, zumindest sind keine Schlitze im Blech erkennbar. Das Gerät steht auf ziemlich hohen Füßen.
Bild 2:
Ein zweites im Internet gefundenes Bild ist leider in der Mitte stark überbelichtet, was einige Details unkenntlich macht. Zu erahnen ist im Bereich unterhalb des Klemt Echolette-Logos aber ein Aufkleber von einem Musikgeschäft, wie man ihn sehr häufig bei den alten Geräten findet. Dies wäre eventuell eine weitere Möglichkeit für Recherchen gewesen.
Wir wollen die Details dieses zweiten Bildes etwas näher betrachten.
Die Bedienelemente möchte ich in zwei Gruppen einteilen:
Das grün markierte Rechteck erinnert an die typische Aufteilung der Echolette-Bandechos mit drei Potentiometern oberhalb des Schalterfelds und drei Potentiometern unterhalb des Schalterfelds. Beschriftungen sind nicht zu sehen – diese sind also nicht einfach nur überbelichtet, es sieht so aus, als ob sie wirklich gar nicht vorhanden sind. Das ist etwas ungewöhnlich bei so vielen Knöpfen und Drehreglern.
Links daneben finden sich drei senkrecht übereinander stehende Potentiometer (rotes Rechteck), die es bei keinem anderen der Klemt-Bandechos so gibt. Es erinnert ein wenig an die drei übereinander stehenden Regler beim M40-Verstärker.
Wir können in diesem Bedienfeld jedoch Beschriftungen erkennen: Eingang 1 / Input 1 oben links (C), beim Poti direkt darunter ist es zu verschwommen, um Genaueres lesen zu können. Das unterste Potentiometer hat wiederum keine Beschriftung.
Die verwendeten Poti-Knöpfe (D) sind definitiv ganz alte Modelle, mich erinnern sie immer an Weißwandreifen bei alten Fahrzeugen, die sich auch bei NG-2 bis NG-4 finden, sowie bei den frühen NG-51 und NG-41 (siehe beispielsweise im ersten Echolette Katalog, Seiten 3 und 4)
Die Druckknöpfe (E) sind meiner Meinung nach ebenfalls frühe Modelle, etwas kleiner und rundlicher als die später allgemein übliche Variante. Siehe hier ebenfalls zum Vergleich Echolette NG-2 und den oben verlinkten Echolette Katalog.
Eingänge sowie ein Ausgang sind auf der Frontplatte nicht vorhanden, diese müssen sich an anderer Stelle befunden haben.
An den Seiten der Frontplatte befinden sich des weiteren vier größere Schlitz-Schrauben, zwei auf jeder Seite (A). Das „Pin-Striping“ läuft um die Schrauben herum, was bei den Goldkäfigen immer so war, sogar schon bei der NG-2. Es hilft uns deshalb leider nicht bei der Datierung des Gerätes.
Links und rechts sind jeweils ein Halte- oder Tragegriff auf dem Front-Panel angebracht (B), ein Element, das sich bei keinem anderen Echolette-Gerät findet und dessen Sinn sich mir nicht ganz erschließt: Bei späteren Rack-montierten Geräten machte ein Griff an dieser Stelle sehr viel Sinn, weil man sie nur von vorne in das 19-Zoll Rack reinschieben und rausziehen konnte. Ein Seitengriff wäre hier fehl am Platz.
Bei Aufsatzgeräten, die auf Tische oder Lautsprecherboxen gestellt werden, ergeben oben oder seitlich angebrachte Griffe meiner Ansicht nach etwas mehr Sinn, deswegen sind auch die meisten Verstärker-Topteile seit den 60er-Jahren so ausgestattet.
Ich habe mir deshalb überlegt, ob es sich bei den Griffen nicht eher um Stoßbügel handeln könnte, die zum Beispiel die Potiknöpfe und die Anzeigelämpchen (siehe nächster Absatz) schützen sollten. Zum Beispiel beim Transport, wo das Gerät gegen die Bordwand des Fahrzeugs oder andere Geräte prallen konnte.
Rechter Hand auf der Frontplatte finden sich senkrecht übereinander stehend drei Lämpchen bzw. Halter/Abdeckungen für darunter liegende Lämpchen, die wiederum keine Beschriftung aufweisen und deren Funktion damit im Dunklen liegt. Es ist klar, dass sie irgendwelche Betriebszustände anzeigen sollten, denkbar wäre: „Gerät eingeschaltet“, „Motor läuft / Echo ein“, aber was noch?.
Die Bauweise dieser Lämpchen habe ich allerdings schon einmal genau so gesehen und zwar am Heraton V40:
Ich denke nicht, dass dies speziell für Heraton angefertigte Lampenträger waren, aber es wird sich um ein damals allgemein verfügbares Bauteil gehandelt haben. Der Heraton stammt aus dem Jahr 1959 (woher ich das weiß, ist eine andere Geschichte, die später einmal auf dieser Webseite erzählt werden soll). Die Lampen am unbekannten Bandecho passen deshalb meiner Meinung nach zeitlich auch zu den anderen älteren Bauteilen und verstärken den Eindruck eines frühen Gerätes in der Echolette-Geschichte.
Spannend finde ich, dass dieses Bandecho zur Aussteuerungsanzeige ein Drehspul-Instrument hat und keine Anzeigeröhre. NG-2, NG-3 und NG-4 hatten noch gar keine Aussteuerungsanzeige (die NG-41 auch nicht, aber das hatte andere Gründe, sie war ein sehr reduziertes Einsteiger-Gerät).
Zuletzt können wir uns die Beschriftung sowie den darunter liegenden Aufkleber noch einmal vergrößert ansehen, ich erkenne hier aber gar nichts, was weitere Informationen zu dem Gerät liefern könnte.
Dass das vor vielen Jahren von Hans Ohms gesuchte Gerät keine Chimäre war, belegen die vorhandenen Bilder, sowie der Bericht eines einstigen Besitzers aus dem Musiker-Board.
Ich bin selbst kein Forist, aber eventuell sehen der einstige Besitzer oder ein Nachfolger diesen Text und möchte dazu noch etwas sagen. Ich würde mich hierüber sehr freuen.
Was sagt uns das nun alles?
Die sichtbaren Details zeigen für mich eindeutig, dass es sich um ein eher frühes Gerät im Klemt Echolette-Portfolio gehandelt haben muss, ich werfe hier einfach mal 1959 / 1960 als Zeitraum in den Ring. Ich denke nicht, dass es sich um ein Hobby-Selbstbau-Projekt gehandelt hat, was mir auch schon als Lösung des Rätsels vorgeschlagen wurde. Dafür hat einfach alles zu sehr Klemt-Anmutungen und ist auch zu sehr professionell „aus einem Guss“.
Wir können nicht sicher sein, ob es in dieser Form je in Serie gebaut wurde oder nicht. Weder eine NG-2 noch eine NG-3 fanden sich bislang in Katalogen – weil ich so weit zurückreichend bislang nichts gefunden habe beziehungsweise es einfach anfangs keine Kataloge gab. Von der NG-2 sind in den letzten Jahren nur zwei Stück auf dem Markt aufgetaucht, Hans Bauer sagte in einem Interview aus dem Jahr 1972, dass er von der NG-2 ganze fünf Stück hat bauen lassen. Eine NG-3 habe ich bislang nur ein einziges Mal überhaupt gesehen.
Die frühen Geräte waren ganz klar Kleinstserien, kein zweites jemals gesehen zu haben bedeutet also nicht zwangsläufig, dass es kein „offizielles“ Modell war. Es ist im Umkehrschluss aber auch nicht undenkbar, dass es sich tatsächlich um einen Werks-Prototypen gehandelt haben könnte, der den Weg aus dem Werkstor herausgefunden hat.
Die weitestgehende Abwesenheit von Beschriftungen lässt mich schlussendlich daran zweifeln, dass es etwas anderes als ein Testmodell oder ein Prototyp gewesen sein könnte.
Bei einem kommerziell vertriebenen Gerät hätte man sich jeden Knopf und jedes Potentiometer beschriftet.
Wir können hierüber aber nur wild spekulieren, so lange bis neue Details bekannt werden.
Spekulieren wir zum Abschluss aber doch einfach noch etwas weiter: Was könnte der realistische Grund für die Existenz dieses Bandecho-Modells sein, das breiter als „normal“ ist und später nicht weiter verwendete Elemente auf der Frontplatte hat?
Hier sind meine Ideen dazu, es ist jeder Leser gerne eingeladen, eigene Überlegungen hierzu beizutragen.
Die Überbreite könnte darauf hindeuten, dass mit einer längeren Bandschlaufe, mehr Tonköpfen oder größeren Tonkopfabständen experimentiert wurde. Reparatur-Geplagte könnten zudem einwerfen, dass man hier vielleicht ein Gerät mit mehr Platz im Inneren für erleichterte Reparierbarkeit getestet hat – aber diesen Gesichtspunkt kann man eher außer Acht lassen. Mehr Material als unbedingt benötigt bedeutet auch immer höhere Kosten und da die Geräte ja mit etwas Übung wunderbar reparierbar sind, halte ich diese Vermutung für eher abwegig.
Da Hans Bauer in dem weiter oben genannten Interview sagt, dass die NG-2 das erste Echolette-Bandecho war, müssen wir – denke ich – auch ausschließen, dass es sich bei dem unbekannten Gerät um eine Art „Urmodell“ gehandelt hat. Das ist auch deshalb ausgeschlossen, weil es eigentlich ja ein konkretes Foto des „Urmodells“ gibt und das hatte rein visuell bereits die Maße und das Erscheinungsbild des bekannten Goldkäfigs.
Weil von der NG-2 bis NG-4 gar keine Aussteuerungsanzeige eingebaut war, ordne ich das Drehspul-Instrument am unbekannten Bandecho insgesamt eher als eine Weiterentwicklung ein und würde es daher als zeitlichen Nachfolger der genannten Modelle verorten. Jedoch noch vor der NG-51, denn das magische Band ist wohl die von Klemt präferierte Best-Lösung zur Aussteuerungsanzeige gewesen, sie wurde schließlich beinahe ein Jahrzehnt lang so gebaut und im Nachfolger E51 auch fortgeführt. Wenn man das hätte ändern wollen, dann wäre ausreichend Gelegenheit dazu gewesen.
Fazit
Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich hier sehr viel spekuliert habe und das darf man auf keinen Fall mit definitiven Fakten verwechseln. Im Prinzip muss man leider konstatieren: „Nichts genaues weiß man nicht“.
Vielleicht geschieht ja noch so etwas wie ein kleines Wunder und wir werden zu diesem Gerät noch mehr Informationen erhalten.

















































