Das anhaltende Mysterium des unbekannten Echolette Bandechos

Ich hatte das Thema vor ein paar Jahren schon einmal in einem Video angesprochen, möchte es aber noch einmal „nach oben holen“. Auch, weil ich die Hoffnung nicht aufgeben will, dass sich doch noch jemand findet, der zu diesem Rätsel etwas sagen oder zeigen kann.

Die Ausgangslage

Im Archiv Hans Ohms findet sich eine Art Suchanfrage zu einem bislang namenlosen Bandecho, das ganz offenbar aus dem Hause Klemt/Echolette stammte:

Zeichnung: Hans Ohms

Archiv Hans Ohms: NG unbekannt

Er schrieb hierzu (vermutlich in den 2000er Jahren), dass kein brauchbares Bild zu dem Gerät vorläge, er aber von einem Leser darauf angesprochen wurde. Weiter vermutete Hans Ohms, dass es sich eventuell um einen Prototypen gehandelt haben könnte.


Bildanalyse

In der Zwischenzeit haben sich aber Fotos zu dem oben in der Zeichnung dargestellten Gerät im Internet finden lassen, die ich nicht für unbrauchbar halte. Diese wollen wir uns einmal genauer ansehen.

Bild 1:

Foto: Internet, stark vergrößert.

Wir sehen das gesuchte Gerät oben auf einem Dynacord King Verstärker stehen. Der King ist rund 80 cm breit, das mysteriöse Echolette-Gerät ist schmaler. Ich habe den Zollstock angelegt und komme auf ca. 68% der King-Breite, das wären also umgerechnet ungefähr 54 cm.

Die NG-51 ist nur ca. 32 cm breit, das unbekannte Bandecho ist damit also doch erheblich breiter.

Es sieht ungefähr ähnlich hoch aus wie der King (20,5 cm), die Tiefe kann man nicht genau abschätzen, es scheint etwas tiefer als hoch sein. Es sieht nicht so aus, als ob das Gehäuse in dem Sinne ein Gold-KÄFIG ist, zumindest sind keine Schlitze im Blech erkennbar. Das Gerät steht auf ziemlich hohen Füßen.

Bild 2:

Foto: Internet

Ein zweites im Internet gefundenes Bild ist leider in der Mitte stark überbelichtet, was einige Details unkenntlich macht. Zu erahnen ist im Bereich unterhalb des Klemt Echolette-Logos aber ein Aufkleber von einem Musikgeschäft, wie man ihn sehr häufig bei den alten Geräten findet. Dies wäre eventuell eine weitere Möglichkeit für Recherchen gewesen.

Wir wollen die Details dieses zweiten Bildes etwas näher betrachten.

Die Bedienelemente möchte ich in zwei Gruppen einteilen:

Das grün markierte Rechteck erinnert an die typische Aufteilung der Echolette-Bandechos mit drei Potentiometern oberhalb des Schalterfelds und drei Potentiometern unterhalb des Schalterfelds. Beschriftungen sind nicht zu sehen – diese sind also nicht einfach nur überbelichtet, es sieht so aus, als ob sie wirklich gar nicht vorhanden sind. Das ist etwas ungewöhnlich bei so vielen Knöpfen und Drehreglern.

Bedienelemente des Gerätes

Links daneben finden sich drei senkrecht übereinander stehende Potentiometer (rotes Rechteck), die es bei keinem anderen der Klemt-Bandechos so gibt. Es erinnert ein wenig an die drei übereinander stehenden Regler beim M40-Verstärker.

Wir können in diesem Bedienfeld jedoch Beschriftungen erkennen: Eingang 1 / Input 1 oben links (C), beim Poti direkt darunter ist es zu verschwommen, um Genaueres lesen zu können. Das unterste Potentiometer hat wiederum keine Beschriftung.

Bedienelemente im Detail

Die verwendeten Poti-Knöpfe (D) sind definitiv ganz alte Modelle, mich erinnern sie immer an Weißwandreifen bei alten Fahrzeugen, die sich auch bei NG-2 bis NG-4 finden, sowie bei den frühen NG-51 und NG-41 (siehe beispielsweise im ersten Echolette Katalog, Seiten 3 und 4)

Die Druckknöpfe (E) sind meiner Meinung nach ebenfalls frühe Modelle, etwas kleiner und rundlicher als die später allgemein übliche Variante. Siehe hier ebenfalls zum Vergleich Echolette NG-2 und den oben verlinkten Echolette Katalog.

Eingänge sowie ein Ausgang sind auf der Frontplatte nicht vorhanden, diese müssen sich an anderer Stelle befunden haben.

An den Seiten der Frontplatte befinden sich des weiteren vier größere Schlitz-Schrauben, zwei auf jeder Seite (A). Das „Pin-Striping“ läuft um die Schrauben herum, was bei den Goldkäfigen immer so war, sogar schon bei der NG-2. Es hilft uns deshalb leider nicht bei der Datierung des Gerätes.

Linke Seite des Gerätes

Links und rechts sind jeweils ein Halte- oder Tragegriff auf dem Front-Panel angebracht (B), ein Element, das sich bei keinem anderen Echolette-Gerät findet und dessen Sinn sich mir nicht ganz erschließt: Bei späteren Rack-montierten Geräten machte ein Griff an dieser Stelle sehr viel Sinn, weil man sie nur von vorne in das 19-Zoll Rack reinschieben und rausziehen konnte. Ein Seitengriff wäre hier fehl am Platz.

Bei Aufsatzgeräten, die auf Tische oder Lautsprecherboxen gestellt werden, ergeben oben oder seitlich angebrachte Griffe meiner Ansicht nach etwas mehr Sinn, deswegen sind auch die meisten Verstärker-Topteile seit den 60er-Jahren so ausgestattet.

Ich habe mir deshalb überlegt, ob es sich bei den Griffen nicht eher um Stoßbügel handeln könnte, die zum Beispiel die Potiknöpfe und die Anzeigelämpchen (siehe nächster Absatz) schützen sollten. Zum Beispiel beim Transport, wo das Gerät gegen die Bordwand des Fahrzeugs oder andere Geräte prallen konnte.

Rechter Hand auf der Frontplatte finden sich senkrecht übereinander stehend drei Lämpchen bzw. Halter/Abdeckungen für darunter liegende Lämpchen, die wiederum keine Beschriftung aufweisen und deren Funktion damit im Dunklen liegt. Es ist klar, dass sie irgendwelche Betriebszustände anzeigen sollten, denkbar wäre: „Gerät eingeschaltet“, „Motor läuft / Echo ein“, aber was noch?.

Status-Lämpchen

Die Bauweise dieser Lämpchen habe ich allerdings schon einmal genau so gesehen und zwar am Heraton V40:

Heraton V40: Es handelt sich um dieselben Lampen-Träger

Ich denke nicht, dass dies speziell für Heraton angefertigte Lampenträger waren, aber es wird sich um ein damals allgemein verfügbares Bauteil gehandelt haben. Der Heraton stammt aus dem Jahr 1959 (woher ich das weiß, ist eine andere Geschichte, die später einmal auf dieser Webseite erzählt werden soll). Die Lampen am unbekannten Bandecho passen deshalb meiner Meinung nach zeitlich auch zu den anderen älteren Bauteilen und verstärken den Eindruck eines frühen Gerätes in der Echolette-Geschichte.

Spannend finde ich, dass dieses Bandecho zur Aussteuerungsanzeige ein Drehspul-Instrument hat und keine Anzeigeröhre. NG-2, NG-3 und NG-4 hatten noch gar keine Aussteuerungsanzeige (die NG-41 auch nicht, aber das hatte andere Gründe, sie war ein sehr reduziertes Einsteiger-Gerät).

Aussteuerungsanzeige des Gerätes

Zuletzt können wir uns die Beschriftung sowie den darunter liegenden Aufkleber noch einmal vergrößert ansehen, ich erkenne hier aber gar nichts, was weitere Informationen zu dem Gerät liefern könnte.

Echolette-Logo und Musikhaus-Aufkleber

Dass das vor vielen Jahren von Hans Ohms gesuchte Gerät keine Chimäre war, belegen die vorhandenen Bilder, sowie der Bericht eines einstigen Besitzers aus dem Musiker-Board.

Ein früherer Besitzer im Musiker-Board

Ich bin selbst kein Forist, aber eventuell sehen der einstige Besitzer oder ein Nachfolger diesen Text und möchte dazu noch etwas sagen. Ich würde mich hierüber sehr freuen.

Was sagt uns das nun alles?

Die sichtbaren Details zeigen für mich eindeutig, dass es sich um ein eher frühes Gerät im Klemt Echolette-Portfolio gehandelt haben muss, ich werfe hier einfach mal 1959 / 1960 als Zeitraum in den Ring. Ich denke nicht, dass es sich um ein Hobby-Selbstbau-Projekt gehandelt hat, was mir auch schon als Lösung des Rätsels vorgeschlagen wurde. Dafür hat einfach alles zu sehr Klemt-Anmutungen und ist auch zu sehr professionell „aus einem Guss“.

Wir können nicht sicher sein, ob es in dieser Form je in Serie gebaut wurde oder nicht. Weder eine NG-2 noch eine NG-3 fanden sich bislang in Katalogen – weil ich so weit zurückreichend bislang nichts gefunden habe beziehungsweise es einfach anfangs keine Kataloge gab. Von der NG-2 sind in den letzten Jahren nur zwei Stück auf dem Markt aufgetaucht, Hans Bauer sagte in einem Interview aus dem Jahr 1972, dass er von der NG-2 ganze fünf Stück hat bauen lassen. Eine NG-3 habe ich bislang nur ein einziges Mal überhaupt gesehen.

Die frühen Geräte waren ganz klar Kleinstserien, kein zweites jemals gesehen zu haben bedeutet also nicht zwangsläufig, dass es kein „offizielles“ Modell war. Es ist im Umkehrschluss aber auch nicht undenkbar, dass es sich tatsächlich um einen Werks-Prototypen gehandelt haben könnte, der den Weg aus dem Werkstor herausgefunden hat.

Die weitestgehende Abwesenheit von Beschriftungen lässt mich schlussendlich daran zweifeln, dass es etwas anderes als ein Testmodell oder ein Prototyp gewesen sein könnte.
Bei einem kommerziell vertriebenen Gerät hätte man sich jeden Knopf und jedes Potentiometer beschriftet.

Wir können hierüber aber nur wild spekulieren, so lange bis neue Details bekannt werden.

Spekulieren wir zum Abschluss aber doch einfach noch etwas weiter: Was könnte der realistische Grund für die Existenz dieses Bandecho-Modells sein, das breiter als „normal“ ist und später nicht weiter verwendete Elemente auf der Frontplatte hat?

Hier sind meine Ideen dazu, es ist jeder Leser gerne eingeladen, eigene Überlegungen hierzu beizutragen.

Die Überbreite könnte darauf hindeuten, dass mit einer längeren Bandschlaufe, mehr Tonköpfen oder größeren Tonkopfabständen experimentiert wurde. Reparatur-Geplagte könnten zudem einwerfen, dass man hier vielleicht ein Gerät mit mehr Platz im Inneren für erleichterte Reparierbarkeit getestet hat – aber diesen Gesichtspunkt kann man eher außer Acht lassen. Mehr Material als unbedingt benötigt bedeutet auch immer höhere Kosten und da die Geräte ja mit etwas Übung wunderbar reparierbar sind, halte ich diese Vermutung für eher abwegig.

Da Hans Bauer in dem weiter oben genannten Interview sagt, dass die NG-2 das erste Echolette-Bandecho war, müssen wir – denke ich – auch ausschließen, dass es sich bei dem unbekannten Gerät um eine Art „Urmodell“ gehandelt hat. Das ist auch deshalb ausgeschlossen, weil es eigentlich ja ein konkretes Foto des „Urmodells“ gibt und das hatte rein visuell bereits die Maße und das Erscheinungsbild des bekannten Goldkäfigs.

Weil von der NG-2 bis NG-4 gar keine Aussteuerungsanzeige eingebaut war, ordne ich das Drehspul-Instrument am unbekannten Bandecho insgesamt eher als eine Weiterentwicklung ein und würde es daher als zeitlichen Nachfolger der genannten Modelle verorten. Jedoch noch vor der NG-51, denn das magische Band ist wohl die von Klemt präferierte Best-Lösung zur Aussteuerungsanzeige gewesen, sie wurde schließlich beinahe ein Jahrzehnt lang so gebaut und im Nachfolger E51 auch fortgeführt. Wenn man das hätte ändern wollen, dann wäre ausreichend Gelegenheit dazu gewesen.

Fazit

Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich hier sehr viel spekuliert habe und das darf man auf keinen Fall mit definitiven Fakten verwechseln. Im Prinzip muss man leider konstatieren: „Nichts genaues weiß man nicht“.

Vielleicht geschieht ja noch so etwas wie ein kleines Wunder und wir werden zu diesem Gerät noch mehr Informationen erhalten.

Die VarioSpeed Motorsteuerung – Ein neues Zubehörgerät für klassische Bandechos von Echolette und Dynacord

Eine der häufigsten Fragen, die den Reparateuren von Röhrenbandechos aus Deutschland immer wieder gestellt wird, ist sicherlich: Kann man die Bandgeschwindigkeit irgendwie langsamer oder schneller einstellen?

Dies ist, wie ich finde, eine sehr berechtigte Frage: Denn nicht selten wird das klassische Bandecho nur deshalb nicht in Studioproduktionen oder auf der Bühne verwendet, weil es nicht so flexibel ist wie das moderne Digital-Effektgerät. Die zwei Geschwindigkeiten einer Echolette NG-51 / E51 oder eines Dynacord Echocord Super S61/ S62 / S62a / S65 passen einfach nicht zu jedem Lied. Insbesondere, wenn man die Echozeiten genau dem Takt anpassen muss.

Ein Bandecho hat aber einen ganz eigenen, besonderen Klang, der es verdient öfter gehört zu werden. Was wäre also, wenn es ein Motorsteuergerät gäbe, das man sehr einfach mit den alten Bandechos verbinden könnte und das bei Bedarf auch vollkommen rückstandslos wieder entfernt werden kann?

Ab sofort gibt es hierfür nun das VarioSpeed Motorsteuergerät: Ein sinnvolles Zubehör, das mehr aus dem klassischen Bandecho herausholt, ohne seine Substanz zu verändern.

Informationen zum VarioSpeed Projekt

Demo-Videos

Prosit Neujahr!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von bandecho.de ein frohes neues Jahr 2026 und freue mich auf viele interessante Dokumente und Geräte, die wir in diesem Jahr hoffentlich finden werden!

aus: ShowBusiness, Ausgabe Dezember 1962.

Wer meine Arbeit in 2026 und darüber hinaus unterstützen möchte, kann hier alle wichtigen Informationen finden: Spenden

Orchesterelektronik zu Höchstpreisen

Als kontinuierlicher Beobachter der für Orchesterelektronik auf Ebay erzielten Preise habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon, welche (schlechten) Preise aktuell für Geräte aus Deutschland in Deutschland erzielt werden. Eine Auktion in den USA zeigte nun, was weltweit möglich ist, sofern zumindest ein berühmter Name mit einem Gerät in Verbindung gebracht wird.

Am 19.11.2025 wurde vom Auktionshaus Julien*s in der Musikstadt Nashville die Florian Schneider Collection versteigert, also sozusagen der materiell-technische Nachlass des Kraftwerk Gründungsmitglieds Florian Schneider-Esleben (1947 – 2020).

Ich schreibe im Folgenden nur über Geräte, die zu dem direkten Fokus dieser Webseite passen, ich kann aber wärmstens empfehlen, einmal durch die Gesamtmasse der Auktion zu blättern. Es sind viele schöne und legendäre Gegenstände darunter (u.a. ein VW T1 Bus).

Unter den Hammer kamen auch diverse Produkte von Echolette und Dynacord: Nach Angaben des Auktionshauses ist aber nur ein Dynacord Echocord Super dabei, das offenbar bei Kraftwerk Live-Auftritten konkret Verwendung fand. Der Rest ist der Imagination bezüglich des prominenten Vorbesitzers überlassen – die überdurchschnittlichen Preise legen Zeugnis davon ab, dass viele Bieter offenbar reichlich davon haben (Imagination meine ich, aber natürlich auch das passende Kleingeld).

Zum Vergrößern bitte anklicken!

Ich habe im Bestand der Auktion keines der Geräte von Dynacord und Echolette erspähen können, die immer wiederkehrend auf Bildern und Filmaufnahmen der frühen Kraftwerk zu sehen waren. Infos hierzu gibt es im folgenden Artikel: Schallplatten | Bandecho.de .

Echolette – kinderleicht einzustellen!

Zum Weltkindertag 2025 möchte ich unten stehende Werbeanzeige teilen. Wir wissen nicht, ob die junge Erdenbürgerin später eine Karriere im Musikbusiness verfolgt hat, aber die Bedienung der NG-51 Echo-Tonblende sieht schon einmal recht „fachmännisch“ aus.

Echolette: Ein Begriff…kinderleicht einzustellen!

aus: ShowBusiness Magazin.

Heute vor 62 Jahren – Diebstahl!

Am heutigen 17.08. vor 62 Jahren hat der Echo-Klau im Hause Echolette Vertrieb zugeschlagen. Ob je eines der genannten Geräte wieder aufgetaucht ist und ob sich jemand über die damals erhebliche Belohnung freuen konnte (das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen eines vollzeitbeschäftigten Arbeiters lag bei 337,- DM), ist leider nicht überliefert.

Diebstahlsanzeige, aus: ShowBusiness, Ausgabe Oktober 1963.

Heutige Besitzer der oben genannten Seriennummern müssen sich aber sicherlich keine Sorgen mehr machen, die Angelegenheit dürfte seit langem verjährt sein.

Manege frei für die Klemt Echolette NG-5

Manchmal muss man Glück haben! Im Mai sah ich im Internet eine Verkaufsanzeige für ein Echolette-Bandecho. Das angebotene Gerät schien mir auf den ersten Blick das Modell NG-4 zu sein, das ich bereits in meiner Sammlung habe und das auch hier schon vorgestellt wurde. Ich habe die Anzeige deshalb erstmal gespeichert und wollte sie später in Ruhe prüfen.

Von außen sieht das Gerät wie eine Echolette NG-4 aus…

Die genauere Begutachtung hat dann aber ein kleines Detail offenbart, das mein Sammlerherz höher schlagen ließ:

…aber gestempelt ist sie als NG-5!

Das Gerät ist mit NG-5 gestempelt, die Seriennummer 6126 liegt etwas oberhalb der höchsten NG-4 Seriennummern, die ich kenne (in den 5000ern) und etwas unterhalb der niedrigsten NG-51 Seriennummer (6879), die ich in meinem Echolette Seriennummern-Projekt bislang erfasst habe. Also irgendwo in der Mitte zwischen beiden Modellen.

Was weiß man über das Modell NG-5?

Wie bei allen Echolette Geräten der Anfangszeit generell recht wenig: Die einzigen beiden Nennungen eines solchen Modells finden sich im Archiv Hans Ohms, siehe die Liste aller Echolette Geräte und den Überblick zur Geschichte der Firma Echolette.

Hans Ohms hatte zur NG-5 meines Wissens nach aber nie eine eigene Modellseite erstellt, Fotos sind mir ebenfalls nicht bekannt. Deshalb hatte ich die NG-5 bislang eigentlich in das Reich der Legenden verortet: Ein Gerät, das es vermutlich nie so richtig gab und zu dem ich in den vielen Dokumenten in meiner Sammlung auch nie etwas gelesen hatte.

Das war wohl eine Fehleinschätzung, denn hier haben wir nun zumindest eine NG-5.

Was ist die NG-5? Worin unterscheidet sie sich von anderen Modellen?

Ich habe eine ausführliche Bildergalerie zur Echolette NG-5 hochgeladen, deshalb möchte ich hier nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Eckpunkte und ein paar Ideen meinerseits liefern. Alles unter dem Vorbehalt natürlich, dass dies die einzige NG-5 ist, die ich bislang gesehen habe und kein offizieller Schaltplan vorliegt. Aber man kann es zumindest ja in ein Verhältnis zu dem Vorgänger- und Nachfolgemodell setzen, dann wird es schon ein brauchbares Bild liefern.

Diese NG-5 ist offenbar eine NG-4, die aber auf zwei Wiedergabeköpfe erweitert wurde, so wie man es später vom Modell NG-51 S kannte. Ihre Röhrenbestückung ist aber zu 100% der NG-4 entsprechend: 2x EF86, 2x ECC81 und 1x ECC82. Anders als bei der NG-51 S wird deshalb nicht jeder Wiedergabekopf von einer halben ECC83 verstärkt, sondern beide Wiedergabeköpfe von derselben Pentode EF86.

Wie bei der NG-51 S kann der zweite Wiedergabekopf durch das Herausziehen des mittleren großen Potentiometers auf der Vorderseite aktiviert werden.

Einen weiteren Unterschied zur NG-4 haben ich bislang nicht erkennen können.

Mir ist bei der Beschäftigung mit der NG-5 wieder etwas durch den Kopf gegangen, über das ich schon öfters nachgedacht habe. In einer Ausgabe des Showbusiness-Magazins konnte man Anfang der 1960er Jahre lesen:

Mitteilung aus dem Showbusiness-Magazin.

Könnte die Bezeichnung NG-5 gar kein Name für ein neues Serienmodell gewesen, sondern als Sammelbezeichnung für umgebaute NG-3 und NG-4 verwendet worden sein? Es dürfte jedenfalls sicher sein, dass für 35 bis 50,- DM bestimmt niemand die komplette Schaltung einer NG-3 oder NG-4 ausgebaut und durch das Innere einer damals über 1000,- DM teuren NG-51 ersetzt haben wird. Plus einer kompletten Einstellung von Mechanik und Bandlauf. Früher war zwar mehr Service, aber das kann ich mir dann doch nicht vorstellen, weil es überhaupt nicht wirtschaftlich erscheint. Warum sollte bei so sagenhaft günstigen Upgrade-Konditionen dann noch jemand das teure, neue Modell kaufen?

Ich halte es deshalb nicht für abwegig, dass mit „Umbau auf das Prinzip der NG-51“ der Einbau und die Verdrahtung für einen zweiten Wiedergabekopf gemeint gewesen sein könnte und wir hier genau das Ergebnis eines solchen Umbaus sehen.


Dieses konkrete NG-5 Modell hat zusätzlich zu dem bereits Gesagten noch ein paar weitere Besonderheiten, die aber zeitgenössische Umbauten bzw. Reparaturen sein dürften. Hierauf möchte ich kurz eingehen, ich denke aber, dass dies keine allgemeinen Erkennungsmerkmale einer NG-5 sind.

Nahe der Drehkondensatoren für die Einstellung des HF-Bias findet sich ein Tauchtrimmer. Ich gehe davon aus, dass einer oder mehrere der originalen Drehkondensatoren defekt sind, weil auch an einer weiteren Stelle noch ein Kondensator mit festem Wert über einen Drehkondensator gelötet wurde.

Dieses selten anzutreffende Bauteil nennt sich „Tauchtrimmer“.

Einer der Aufsprechstrom-Trimmer wurde ebenfalls durch ein Ersatzteil anderer Bauform ersetzt.

Am Ausgang (!) findet sich ein kleiner Übertrager, der mit den Pins 1 und 3 der DIN-Ausgangsbuchse verbunden ist, sowie auch mit Pin 2 (Masse). Für mich sieht das aus, als ob hier ein symmetrischer Ausgang nachgerüstet werden sollte.

Die Übertrager-Halterung an einem der Potentiometer ist ganz gut gemacht und sitzt sehr stramm, sie scheint aber nachträglich an das Poti angelötet worden zu sein.

Ein Übertrager am Ausgang.

Bei der NG-5 ist vermutlich irgendwann einmal der Netzschalter kaputt gegangen, dieser fehlt komplett und das Gerät ist durch feste Verbindung der geeigneten Drähte nun auf „Dauer-An“ festgelegt, sobald der Netzstecker eingesteckt wird. Der verbleibende mechanische Ein-/Aus-Knopf rückt nur noch die Andruckrolle vom Capstan weg.

Eine Zirkus-Echolette

Ich habe in der Überschrift „Manege frei“ geschrieben und das hat einen Grund: Denn diese Echolette hat eine ganz interessante Geschichte. Sie ist ein waschechtes Zirkus-Gerät!

In den 60er Jahren kam sie im Circus Rebernigg zum Einsatz, dem „Österreichischen Nationalcircus“, und wurde bis heute in der Familie aufgehoben.

Werbe-Prospekt des Circus Rebernigg.

Hier gibt es ein Prospekt des Circus Rebernigg (pdf, 35 MB), das ich dankenswerter Weise zusammen mit der Echolette erhalten habe und das neben ihr in mein kleines Museum einziehen wird.

Der Vorbesitzer meiner Echolette NG-5 mit Freddy und Löwen.

In diesem Monat vor 62 Jahren: Eröffnung der „Musik City“ in München Schwabing

Im Juli 1963 eröffnete die Echolette Vertriebsgesellschaft an der Adresse Leopoldstraße 46, im Münchener Stadtteil Schwabing, ein eigenes Musikgeschäft. Zunächst tauchte der Name des Geschäftes geschrieben in der deutschen Namensvariante mit „k“ auf, später anglisiert als „Music“ City.

Angeboten und verkauft wurden neben Echolette-Geräten auch internationale Marken aus dem Musik- und HiFi-Bereich (siehe Music City Katalog).

Das Gebäude war allerdings schon weitaus länger in Besitz der Firma „Echolette“, bereits ab ungefähr 1960 war es der Hauptsitz des Unternehmens und wurde als solcher auch namentlich auf den Seriennummern-Plaketten der Echolette-Geräte geführt.

aus: ShowBusiness Magazin, 1963.

Die Music City existierte bis in die 70er Jahre hinein und es gab auch Filialen in Landshut und Berlin. Genaueres habe ich bislang aber noch nicht herausfinden können. Wer das Geschäft in München noch kennt oder vielleicht sogar dort gearbeitet hat, kann sich eventuell einmal bei mir melden oder unter diesem Beitrag kommentieren.

Das Gebäude selbst existiert natürlich heute noch (siehe unten), es sind aber keine Anzeichen mehr zu erkennen, dass sich hier einmal ein Musikgeschäft befunden hat. Nun, es sind auch einige Jahre vergangen und viel Wasser ist die Isar hinunter geflossen…

Echolette B30

Es gibt eine kleine Serie von Klemt Echolette Hybridverstärkern, also Verstärkern mit Transistorvorstufe und einer Röhren-Endstufe: B25, B30 und B35.

Anders, als die Nomenklatur suggeriert, sind diese Verstärker aber keine Vorgänger des B40/G40 oder des BS40 aus den frühen 60ern. Der B30 ist vielmehr ein Gerät aus der zweiten Hälfte jenes Jahrzehnts (laut Hans Ohms Baujahr 1965). Ich habe die ersten Fundstellen in Dokumenten in meinem Katalog-Archiv aus dem Jahr 1966, so in der Echolette Preisliste von Juli 1966 und in einem Info-Flyer zum damals neuen B30 ebenfalls aus 1966. Dort heißt es:

Der B 30 ist speziell auf Grund der starken Nachfrage nach einem preisgünstigen Baß- und Gitarrenverstärker konstruiert worden. Mit 30 Watt Sinusaussteuerung und verzerrungsfreien 35 Watt Music-Power, zeichnet sich dieser Verstärker als besonders leistungsstark aus. Neben der Eignung für Baß und Gitarre ist der Anschluß an jedes beliebige hoch- oder niederohmige Mikrophon bei ausgezeichneter Wiedergabequalität gegeben. Der B 30 besitzt zwei Instrumenteneingange, mit getrennter Hoch
Tiefton-Regelung, und als neuestes Entwicklungsergebnis von Echolette eine automatisch erfolgende Präsenzanhebung, d. h. ein Anheben der mittleren Tonlagen, wodurch ein besonderer Klangeffekt erzielt wird. Kombiniert mit sämtlichen Echolette-ET-
Boxen, im Besonderen mit der Box ET 1, ist der B 30 ideal fur die Musiker, die sich noch keine teuere Verstärkeranlage leisten wollen.

Das Thema ist also klar gesetzt, es handelt sich um ein damals preisgünstiges Einsteigermodell. Einen solchen B30 habe ich mir kürzlich auch gekauft, weil gerade einer zu einem vertretbaren Preis auf Ebay angeboten wurde. Was aber viel wichtiger ist: Sein Äußeres sah wirklich einwandfrei aus. Wie bei so vielen Verkaufsanzeigen gab es jedoch keine Bilder vom Inneren. Also wie immer ein gewisses Risiko.

Ein paar Monate nach dem Kauf wollte ich den kleinen Kerl nun mal flott machen und deswegen werfen wir in diesem Artikel einen ersten Blick ins Innere. Hier sind einige Impressionen:

Was auffällt ist, dass das Gehäuse des Verstärkers trapezförmig zusammengeheftet ist, das heißt es wird nach hinten hin schmaler. Netztrafo und Ausgangsübertrager sind an den Seitenwänden befestigt und damit auch leicht angewinkelt zum Inneren des Gerätes angebracht. Ansonsten haben Chassis und Frontplatte denselben Look, wie man ihn auch schon vom Echolette BS40 kennt.

Der Netztrafo trägt eine kleine Zusatzplatine, auf der sich Sicherungshalter befinden. Bei diesem Verstärker ist die Anpassung an 120V oder 220V nämlich nicht über einen Spannungswahlschalter realisiert, sondern man muss die zwei Netzsicherungen je nach vorhandener Netzspannung in ein unterschiedliches Paar von Sicherungshaltern einstecken. Hierüber werden die zwei Wicklungen der Primärseite des Netztrafos jeweils etwas anders zusammengeschaltet.

Nebenplatine mit Halterungen für die Netzsicherungen im Echolette B30.

Im Schaltplan ist dies folgendermaßen dargestellt.

Dieselbe Stelle wie im vorigen Bild auf dem Schaltplan des Echolette B30.

Was auf den ersten Blick vielleicht verwundert, ist die Tatsache, dass für 110V-Betrieb dieselben Sicherungen (0,8 A träge) wie für den 220V-Betrieb empfohlen werden.

Normalerweise kennt man es ja, dass für die 110V-Anwendung eigentlich immer Sicherungen mit dem doppelten Maximalstrom / Nennstrom benötigt werden, weil hier – wie auch im Schaltplan ersichtlich – dann in der Regel zwei Wicklungen des Netztrafos parallel geschaltet sind und damit eben „der doppelte“ Strom durch die Primärseite des Netztrafos fließt.

Das ist in diesem Fall aber leicht erklärt, weil im 110V-Betrieb des B30 beide Wicklungen eine eigene Sicherung haben und nicht alle Wicklungen an derselben Sicherung hängen. Im 220V-Betrieb sind die beiden Sicherungen beim B30 einfach in Serie geschaltet, was elektrisch aber keine Bedeutung hat (es bleibt bei 0,8 A Maximalstrom). Eigentlich eine Verschwendung einer Feinsicherung.

Ich vermute aber, dass die Entwickler des Gerätes hier einfach keine Verwirrung stiften wollten, wie es bei einer Sicherung für 220V-Betrieb und zwei Sicherungen für 110V-Betrieb unweigerlich geschehen wäre. In allen Anwendungsfällen hat man die gleiche Anzahl Sicherungen, die man nur umstecken muss – nicht zu kompliziert.

Das scheint mir auch die einfachste Lösung zu sein in Anbetracht der Tatsache, dass man dann ebenfalls keine Unterscheidung im Werk für Exportgeräte machen musste. Notfalls konnten die Echolette-Vertretungen in den jeweiligen Zielländern die Geräte aus Deutschland für ihren lokalen Absatzmarkt „einstellen“ und die Sicherungen korrekt platzieren.

Was mir bei diesem Gerät natürlich sofort aufgefallen ist, ist dass hier keine EL500 Röhren eingebaut sind, sondern EL504.

EL504 statt EL500. An dem Außenkontakt auf der Oberseite liegt die volle Anodenspannung an!

Ich musste mich hier auch kurz schlau machen, aber die EL504 ist wohl mehr oder weniger ein 1:1 Ersatz. Offenbar war das gang und gäbe, dass man statt den irgendwann nicht mehr überall verfügbaren EL500 das Nachfolgemodell EL504 eingesetzt hat. Ich meine hier allerdings nicht, dass man dies ab Werk gemacht hat! Das ist wohl eher die pragmatische Lösung eines Vorbesitzers gewesen.

Ich muss ehrlicherweise auch gestehen, dass ich momentan nicht im Bilde bin, ob die Röhren in diesem Gerät tatsächlich ohne Anodenkappen (aus Keramik zum Beispiel) betrieben wurden und dieser Feder-Klemmmechanismus, wie man ihn oben am Anodenkontakt sieht, so ab Werk war.

Von meinem Gefühl her würde ich lieber richtige Anodenkappen einsetzen, das bietet einfach mehr Schutz gegen Berührungen. Es ist im Musikelektronikbereich ja auch nicht mehr so weit verbreitet, dass Röhren eingesetzt werden, bei denen die Betriebsspannung von der Oberseite außen zugeführt wird. Deshalb lieber auf Nummer sicher gehen.

Ich bin allerdings bestrebt, hier wieder EL500 einzusetzen, davon habe ich in meiner Sammlung…na ja, sagen wir mal eine „haushaltsübliche“ Menge.

Wem die EL500 jetzt nichts sagt, der muss sich nicht schämen. Es handelt sich nicht um eine typische Röhre für Musikelektronik, obwohl es einige Verstärker gab, die solche „Fernsehröhren“ in der Endstufe hatten (z.B. EL36).

So vollkommen ungewöhnlich ist es beim B25, B30 oder B35 deshalb also nicht, aber die Röhre fand sich ansonsten doch eher in Fernsehgeräten. Das Philipps-Datenblatt des Modells gibt die folgende Auskunft:

BÜNDELROHRE in Allglastechnik zur Verwendung in der Aus-
gangsstufe fur die Horizontal-Ablenkung in Fernsehemp-
fängern. Die Röhre hat ein hohes Verhältnis zwischen
Anoden- und Schirmgitterstrom und ist mit einem Magnoval-
Sockel ausgestattet.


Nun zu den ersten Überlegungen zur Erweckung des Verstärkers aus seinem Dornröschenschlaf:

Was ich bei einem für mich neuen Verstärker immer erstelle, ist ein Platinenplan. Sofern möglich, hat es sich hier bewährt, ein „Durchsichtbild“ von der Vorder- und Rückseite zu erstellen. Die Unterseite wird dazu gespiegelt und unter das teiltransparente Bild der Oberseite gelegt. Es ist hier meist notwendig, die beiden Einzelbilder etwas hin und her zu ziehen und an einem Raster auszurichten. Das ist mit kostenlosen Grafikprogrammen wie Gimp aber kein Problem. Das Ergebnis ist ein Überlagerungsbild, auf dem man sowohl die Bauteile als auch die Leiterbahnen gleichzeitig sehen kann (siehe unten).

Im Anschluss verfolgt man dann erstmal, welches Bauteil auf der Platine mit welchem Bauteil im Schaltplan übereinstimmt und trägt das auf dem Platinenplan ein. Dies hilft später ungemein beim Auslöten und Tauschen von Bauteilen und auch bei der allgemeinen Fehlersuche, weil man mit Platinenplan und Schaltplan schnell von Messpunkt zu Messpunkt navigieren kann, ohne noch groß zu suchen.

Im Falle dieses B30 sind mir dabei gleich zwei Dinge aufgefallen, die nicht dem Schaltplan des B30 entsprechen. Dazu komme ich aber etwas später.

Platinenplan: Durchsichtbild
Platinenplan: Bestückungsseite
Leiterbahn-Seite der Platine
Platine im Gegenlicht

Was beim B30 ein blödes Problem ist, sind die beiden Netzteil-Becherelkos: Diese haben zwar den vollkommenen Standardwert von 50uF+50uF, den man in Klemt-Geräten wie Sand am Meer findet. Es handelt sich hier aber um Snap-In Kondensatoren für die Platinenmontage. Und die gibt es meines Wissens nach aktuell in dieser konkreten Kapazität und als Doppelelkos nirgendwo zu kaufen.

Diese Bauform gibt es so nicht mehr zu kaufen!

Sollten die beiden Doppelelkos hinüber sein – wovon man bei einem Alter von fast 60 Jahren ausgehen darf – dann muss man sich was überlegen. Ich bin persönlich weder Fan vom Re-formieren von Elkos noch davon, die alten Becher auszuhöhlen und kleine, moderne Elkos einzusetzen.

Einfach Neuware (dann vermutlich zwei separate Elkos pro Becherelko) in die Platine einzulöten – vielleicht muss auch das nicht sein. Ich habe keine Eile mit dem B30 und werde mir hier nochmal in Ruhe Gedanken machen.


Beim Erstellen des Platinenplans und dem Abgleich der Bauteile mit dem Schaltplan ist mir gleich noch etwas aufgefallen:

Mein B30 hat einen Varistor, um die Hochvolt-Wicklung auf der Sekundärseite des Netztrafos vor Überspannung zu schützen. Laut Schaltplan hatte dies das B30-Modell jedoch nicht, sehr wohl aber der Vorgänger (B25) und der Nachfolger (B35).

Beim B25 und B35 soll es den Varistor laut Schaltplan geben (markiert mit seinen elektrischen Parametern 400V/1-2mA), beim B30 eigentlich nicht.

Aber das ist bei Klemt durchaus typisch. Wenn man ein „überzähliges“ Bauteil findet, einfach die Schaltpläne früherer oder späterer Modelle zu Rate ziehen. Es gibt immer Mischformen.

Dasselbe Thema habe ich auch an anderer Stelle. Bei meinem B30 hat der Widerstand R2 einen Wert von 680k, laut B30-Schaltplan sollte man hier 1,5M vorfinden. Der R1 entspricht bei meinem B30 ebenfalls dem Wert von 3,3M, der laut Schaltplänen im B25 und B35 verbaut war.

Vergleich der Widerstände R1 und R2 in der Vorstufe der drei Verstärker.

Mit den leicht veränderten Werten von R1 und R2 wäre der Transistor T1 im B30 etwas anders gebiased als beim B25 und B35. Zumindest in meinem B30 entspricht dies aber alles dem Vorgänger und Nachfolger und ich habe nun zumindest zwei Diskrepanzen gegenüber dem Schaltplan.

Das soll es an dieser Stelle einmal gewesen sein mit dem B30, aber we’ll meet again…

Echolette Showstar: Tipps und Tricks zur Beleuchtung

Eines der schönsten Details des Echolette Showstar Verstärkers ist die beleuchtete Frontplatte. Diese gab es bei den Varianten S40 und S40L, der Echolette Showstar G40 verfolgte dieses Beleuchtungskonzept nicht mehr.

Die Frontplatte bestand aus einer Plexiglasscheibe, die rückseitig golden maskiert war. Die Schriften auf der Frontplatte, die Skalenstriche um die Potentiometer herum, sowie weitere Details waren lichtdurchlässig und haben dem Gitarristen somit auch im Dunkeln die Möglichkeit gegeben, den Verstärker zu bedienen.

War dies noch nicht ungewöhnlich genug, so setzte der Umstand dem Ganzen noch die Krone auf, dass die Beleuchtung über Leuchtstoffröhren ausgeführt wurde. Die Einstreuungen von Leuchtstoffröhren in SingleCoil-Tonabnehmer gehören sozusagen ja zu den Flüchen des Gitarristen, umso merkwürdiger ist auf den ersten Blick deshalb die Entscheidung, solche Leuchtmittel direkt in die Frontplatte eines Gitarrenverstärkers einzusetzen.

Man kann allerdings Entwarnung geben, das Ganze funktioniert bei diesem Verstärker absolut wunderbar, keine Einstreuungen, keine Probleme. Was hingegen nicht so schön ist, ist der Umstand, dass die Leuchtstoffröhren über die Jahre natürlich schwächer werden und kaputt gehen und die Beleuchtung dann – wie auch bei dem Exemplar oben – nicht mehr so schön wirkt. Im schlimmsten Fall flackert es oder leuchtet gar nicht mehr.

In einem derartigen Fall möchte man natürlich die Leuchtmittel austauschen und dies ist tatsächlich nicht ganz so trivial, wie eine Glühbirne über dem Esszimmertisch zu wechseln. Ich möchte hier einige Tipps und Tricks teilen, wie die „Operation“ gelingt. Der Verstärker hat es in jedem Fall verdient, dass man es perfekt erledigt und es sind auch einige Sicherheitsaspekte zu beachten!

Ich habe die wichtigsten Hinweise in einem Video zusammengestellt. Unten finden Sie noch einige zusätzliche Informationen und meine Liste der verwendeten Materialien.

Vorbereitung:

Verstärker aus dem Holzkasten nehmen. Alle Potentiometer-Knöpfe abschrauben, dann Frontplatte abnehmen.

Materialliste (Vorschlag):

  • Neue Leuchtstoffröhren:
    15 Watt, T8, Sockeltyp G13, 43,8 cm Länge.
  • Ersatz für die „Schirmgitter“:
    Hierfür eignen sich Siebhülsen aus Metall. Diese gibt es im Baustoffhandel als Meterware. Es eignen sich Exemplare mit 26mm Durchmesser, diese können wie im Video gezeigt mit einer Blechschere aufgeschnitten werden. So lassen sie sich einfacher über die Leuchtstoffröhren schieben.
  • Isolierung:
    Es existieren transparente Schrumpfschläuche als Meterware oder als Stückware in verschiedenen Längen. Zu achten ist darauf, dass der Schlauch über das Schirmgitter passen muss und die Länge gibt ja die Leuchtstoffröhre vor, siehe oben. Unter 28mm Durchmesser des Schlauchs würde ich nicht gehen, besser 30mm. In den Herstellerangaben findet sich zudem ein Hinweis, auf welchen Umfang der Schlauch maximal schrumpft. In der Regel kein Thema, aber vorsichtshalber darauf achten, dass er schon bis auf 25mm herunterschrumpfen kann.